Laktulose / Lactose / Nieren- und Lebererkrankung Hund

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Laktulose / Lactose / Nieren- und Lebererkrankung Hund

Beitrag  Boxermaus am Di 22 Sep 2015 - 14:15

Boxermaus am So 10 Mai 2009 - 19:05

Bei Nieren- und Lebererkrankungen

(c) boxermaus gertrud laubhan-sauerwein

Die Unterdrückung proteolytischer Darmbakterien** kann
durch

fermentierbare Faserquellen (mikrobiell fermentierbare Kohlenhydrate mit darmsäurernde Wirkung) wie in Möhren und
Apfelpektinen , wie in pektinreichen Obstsorten (Apfel, Birnen, Beerenobst),


oder

Alternativ/Zusätzlich über Laktose (Michzucker) (2-4 g/ kg KM / TAG)

oder

Laktulose Pulver (je nach Wirkung beim Kotabsatz bis 1 g / kg KM / TAG)


Laktulose flüssig = ca- 0,25 - max. 0,5 ml / kg ca. alle 8 - 12 Stunden

erreicht werden.

**Eiweiß stimulieren die proteolytisch aktiven Darmbakterien, die durch die metabolische Bildung von Ammoniak und weiteren Stoffwechselprodukten zu einer Alkalisierung [>7 pH) des Kots führen. Als Proteolyse bezeichnet man den Abbau von Proteinen


(c) boxermaus gertrud laubhan-sauerwein

Hierdurch lässt sich eine Azidierung (Ansäuerung) des kolonalen Milieus (Darm) erreichen und die mikrobielle Bildung von Ammoniak sowie seine Absorption vermindern.
Es wird also die bei diesen Erkrankungen u.U. vermehrt entstehenden Ammoniak gebunden und ausgeschieden und dadurch die Absorption vermindert.
Die Leber und die Nieren werden hierdurch entlastet (intestinalen Harnstoff-Ammoniak-Kreislauf abgeschwächt)



Bei Nierenerkrankungen
Da Harnstoff aus dem Blut über die Darmwand bei Urämikern (Urämie = Harnvergiftung, weil die Nierenfunktion eingeschränkt ist, Schadstoffe nicht mehr ausgeschieden werden können) in bis zu 10facher Menge in das Darmlumen diffundiert und es dort zu Ammoniak gespalten wird, ist die Unterbrechung dieses Zyklus beim urämischen Hund ein wichtiges Ziel der Therapie.


Die Überprüfung des Erfolgs dieser Behandlung
kann über wiederholte Messungen des Kot pH-Wertes erfolgen. Dieser sollte unter 6,5 liegen. Ein weiteres Indiz für die ausreichen de Dosierung von Laktose/ Laktulose ist eine weichere Kotkonsistenz.


Wichtig - Dosierung / Gabe von Laktose / Laktulose:
Grammweise steigern, damit der Darm sich daran gewöhnen kann.
Der Kot soll nur geschmeidig werden und nicht dünn (Durchfall).
Maximalmengen nicht überschreiten.


Urämie = Harnvergiftung
Bedingt durch die eingeschränkte Nierenfunktion, Schadstoffe können mit Fortschreiten der Nierenerkrankung (Verminderung der Nierenfunktion) mehr und mehr, weniger ausgeschieden werden und verbleiben im Organismus.
Symptome:
Abnahme der Leistungsfähigkeit (will nicht mehr Gassi, läuft lustlos hinterher etc.)
Kopfschmerzen (Hund drückt dem Kopf auffällig vermehrt an Gegenständen, an den streichelnden Händen des Halters, versucht den Kopf mit den Pfoten zu reiben/kratzen)
Benommenheit (Schwanken, vermehrter "stierer Blick")
Appetitlosigkeit
Übelkeit (vermehrtes Grasfressen, Erbrechen)
Hautjucken
Ruhelosigkeit, Unruhe
Später mit Fortschreiten der Urämie
auffälliger Uringeruch aus dem Maul
Wassereinlagerungen im Körper

(c) boxermaus gertrud laubhan-sauerwein

Bei Urämie mit Nüchtern-Harnstoffgehalt von > 8 mmol/l
ist eine Reduktion der Eiweißgehalte im Futter auf 5-7 g vRp / 1 MJ uE
Beispiel 40 kg Hund
Gem. Tabelle 4.4 (S.52) M/Z
40 kg Hund MJ / TAG = 6,68 MJ uE (uE = umsetzbare Energie)
6,68 x 5 = 33,4 g vRp / TAG
6,68 x 7 = 47 g vRp / TAG
ca. max. 250 g Fleisch / TAG plus FETT !!! und Öl etc.

In der Anfangsbehandlung kann eine temporäre orale Gabe von AB (Niomycon 20 mg /kg KM /TAG gegeben werden oder eben oben erwähnte Alternativen mit Lactose/ Laktulose um intestinalen Harnstoff-Ammoniak-Kreislauf abzuschwächen.

Bei massiver Proteinurie besteht das Risiko einer Hypoproteinämie (Unterversorgung von Protein), so dass evtl. die Eiweißversorgung dann wieder etwas angehoben werden muss.

(c) boxermaus gertrud laubhan-sauerwein

Die Leber
wird durch diese Zugabe gleichzeitig entlastet, weil die sozusagen die Vorarbeit leisten muss.

Ist die Leber krank, kann sie Ammoniak, der bei der Verdauung entsteht nicht mehr unschädlich machen. Der Ammoniak kann so ungehindert bis zum Gehirn vor dringen und dort schweren Schaden (Krampfanfälle) anrichten.

Laktulose / Laktose
Laktulose ist ein synthetisches Disaccharid (Zweifachzucker), bestehend aus Galactose und Fructose, das aus Milch gewonnen wird.

Nicht zu verwechseln ist Laktulose mit Laktose, dem eigentlichen (natürlichen) Milchzucker, der aus Galactose und Glucose besteht und im Unterschied zu Laktulose verwertet werden kann.

So erklärt sich auch die Verwendung der Laktulose als osmotisches Laxans (Abführmittel), da der Zucker im Darm nicht aufgenommen werden kann und durch Bindung von Wasser das Darmvolumen zunehmen lässt und zu einem weichen Stuhl führt.

Ähnliche Effekte werden auch durch übermäßigen Verzehr von Laktose (bzw. Milchprodukten) erzielt, denn sobald die aufgenommene Menge an Laktose die Aktivität des Enzyms Laktase (das Laktose in Galactose und Glucose spaltet) überschreitet, wirkt die restliche (ungespaltene) Laktose ebenfalls osmotisch abführend.

Aufgrund der Vergärung der Laktulose durch die Darmbakterien wird durch die entstehenden Säuren zudem die Peristaltik angeregt.
Laktulose ist z. B. unter dem Handelsnamen Bifiteral® bekannt (erhältlich als Saft oder Pulver).


Quellen
Meyer / Zentek "Ernährung des Hundes"
Suter / Kohn "Praktikum der Hundeklinik"
Diverse TA Gespräche


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