Neosporose und Fehlgeburten bei Rindern - Sind unsere Hunde die Verursacher?

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Neosporose und Fehlgeburten bei Rindern - Sind unsere Hunde die Verursacher?

Beitrag  Punktejungs am Do 9 Apr 2015 - 10:49

Neosporose und Fehlgeburten bei Rindern - Sind unsere Hunde die Verursacher?
Neosporose ist eine infektiöse Krankheit, die auch bei Rindern zu Fehlgeburten (Abort), Geburt lebensschwacher Kälber, Durchfälle, Entzündungen von Muskeln, Herz, Nerven und Gehirn führt. Die Neosporose wird verursacht durch einen vor wenigen Jahren entdeckten Parasiten namens Neospora caninum, benannt nach einem seiner möglichen Endwirte, dem Hund.
Im Sommer 2004 erscheinen immer häufiger Pressemitteilungen, amtliche Nachrichten und Informationskampagnen, in denen der Hund als einziger Verbreiter dieses Erregers dargestellt wird. Die neuerlich beobachtete Häufung von Aborten bei Rindern wird gänzlich dem Parasiten Neospora caninum zugesprochen. Beschimpfungen durch aufge-brachte Landwirte gehören daher mittlerweile zu den täglichen Spaziergängen.
Die nachfolgenden drei Pressemitteilungen (graue Kästen) sind beispielhaft für eine Vielzahl ähnlicher Aus-sagen:
Rhein-Zeitung Freitag, 25.Juni 2004
Bauern starten Aktion gegen Hundekot mit Parasiten auf Futterwiesen
Oberhaid - Der Bauern- und Winzerverband Rheinland- Nassau hat eine Kampagne gegen Hundekot mit Krankheitserregern auf Futterwiesen von Kühen gestartet.
Der Parasit Neospora caninum führe bei Rindern über verunreinigtes Futter auf ihren Wiesen sehr oft zu Totgeburten oder zu lebensschwachen Kälbern, teilte der Verband am Freitag in Oberhaid (Westerwaldkreis) mit. Das Problem nehme stark zu. Daher würden an Bauern Schilder ver-teilt, die Hundehalter auf Wiesen auf die Gefahr hinweisen sollen.
Wochenzeitschrift der VG Waldbreitbach Donnerstag, 05.August 2004, Jahrgang 31, Nr. 32
Informationen aus dem Rathaus
Fehlgeburten bei Rindern und Entwertung von landwirtschaftlichen Flächen durch Hundekot
Es gibt landwirtschaftliche Betriebe, bei denen vermehrt Fehlgeburten bei Rindern vorkommen. Ausgelöst werden die Fehlgeburten durch einen Parasiten namens Neospora caninum. Der dadurch entstandene wirtschaftliche Schaden ist immer hoch. Durch die Neosporen können bei Rin-dern auch andere Krankheitssymptome ausgelöst werden, wie Fruchtbarkeitsstörungen, Geburten lebensschwacher Kälber, Kälberdurchfälle, Muskel- und Herzmuskelentzündungen sowie Nerven- und Gehirnentzündungen.
Bei der Infektion mit Neospora caninum spielen Hunde eine Schlüsselrolle.
Sie nehmen den Parasiten auf
- durch Fressen von Kot infizierter Hunde;
- durch Fressen infizierter Nager (Ratten, Mäuse);
- durch Fressen von mit Neospora caninum kontaminiertem Abortmaterial und Nachgeburten von Rindern.
Bei Hunden kommt es in den meisten Fällen nicht zu einer erkennbaren Erkrankung, aber zu einer lebenslangen Vermehrung der Parasiten, die dann mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Parasiten gelangen dann über kontaminiertes Futter (Grünfutter, Heu, Silage, Getreide) in den Rinderstall oder werden beim Weidegang direkt aufgenommen.
Es liegt hier in Ihrer Verantwortung!
Angesichts des drohenden Schadens bitten die Landwirte/Eigentümer das Betreten der landwirtschaftlichen Grünflächen mit dem Hund zu un-terlassen und erwarten die Rücksichtnahme der Hundehalter/in.
Verbandsgemeindeverwaltung
Waldbreitbach
- als örtl. Ordnungsbehörde –

Rhein-Zeitung Dienstag, 10.August 2004
Ein Erreger im Hundekot macht die Kühe krank
Schilder und Flyer warnen vor dem Bakterium „Neospora caninum“
KREIS NEUWIED. Das Bakterium heißt Nesospora caninum, gerät über mit Hundekot verunreinigte Silage ins Futter und macht Kühe krank. Fehlgeburten, auch Verkalbungen genannt, und eine bis zu 15-prozentige Abnahme der jährlichen Milchleistung sind die Folge einer Infektion. Mit einem Flyer und Schildern an Weiden und Wiesen wollen der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau sowie die Landestierärzte-kammer Hundebesitzer jetzt vor dem Parasiten warnen. Zahlreiche Tafeln sind von Landwirten aus dem Kreis Neuwied bereits bestellt worden. „Hundekot macht mich krank; lass deinen Hund nicht an mein Futter“, so lautet die Aufschrift auf der Tafel, die Hundehalter warnen soll. Vorerst ein Schild hat Jens Runkel, Landwirt in Rengsdorf, an einer Weide angebracht, um seine 60 Milchkühe zu schützen. Weitere will er jetzt bestellen, „weil das erste bereits Wirkung zeigte“. Verkalbungen gab es bei ihm auch schon. Untersucht wurden die aber nicht, weil es sich dabei bislang um Einzelfälle gehandelt habe, so der Landwirt. Ein Kollege hat aber regelmäßig Aborte auf ortsnahen Weiden und Wiesen. Landwirte füttern das Gras als Silage an die Kühe, die damit infiziert werden. Tot- und Fehlgeburten sind die Folge. Bringt eine infizierte Kuh dennoch ein Kalb lebend zur Welt, so ist dieses ebenfalls infiziert und meist sehr schwach. Umgekehrt können sich auch Hunde anstecken. Nämlich dann, wenn sie auf einer Weide den Abort oder die Nachgeburt einer infizierten Kuh fressen. Diese Hunde machen dann wieder auf die Wiesen und Weiden – der Übertragungskreislauf schließt sich. Im Übrigen sind auch Pferde, Schafe und Ziegen von einer Infektion mit dem Bakterium nicht ausgenommen.
„Es gibt keinen Impfstoff und keine Behandlungsmöglichkeit“, so Dr. Wolfgang Luft, Präsident der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz. Bei Hunden auf dem Land sei die Infektionsrate höher als bei Stadthunden. Zahlen, so der Veterinär, gibt es allerdings nicht. Nur so viel: Die Landesuntersuchungsanstalt mit Sitz in Koblenz hat herausgefunden, dass jeder dritte Kuh-Fötus infiziert ist. Weder dem Hund noch der Milch-kuh ist die Infektion mit Neospora caninum anzusehen, und viele Hundebesitzer wissen gar nicht, dass ihr Vierbeiner den Erreger trägt. Deshalb hoffen die Landwirte, dass die Hinweisschilder für die nötige Aufklärung sorgen und die Hundebesitzer mit dem nötigen Verständnis reagieren. Neospora caninum ist nicht neu und in Süddeutschland bereits bekannt. Neu ist allerdings, dass das Bakterium in Rheinland-Pfalz und damit auch im Kreis Neuwied zum Problem wird. Frühzeitig sollen die Landwirte darauf aufmerksam machen. Für 1400 Euro hat der Bauern- und Winzerverband zunächst 500 Tafeln fertigen lassen. In Kooperation mit der Landestierärztekammer sollen Infoflyer in den Veterinärpraxen und Verwaltungen ausgelegt werden. Übrigens: Wer gern Milch trinkt, kann dies auch weiterhin bedenken-los tun, denn „‘Der Parasit ist für den Menschen ungefährlich.“

Die Dinge werden wie so oft stark vereinfacht dargestellt. Ein Schuldiger ohne Lobby ist leicht auszumachen. Dieser ist dann verantwortlich für jeglichen wirtschaftlichen Schaden, der den Landwirten in der Viehhaltung entsteht. Es ist, wie kann es auch anders sein, der Hund. Selbst die angeblich so kritische Presse übernimmt kommentarlos und ohne Hintergrundrecherche Pressemitteilungen von Interessenverbänden. Selbst eine Suche im Internet scheint für einen Hund nicht lohnenswert. Dabei gibt es wissenschaftliche Abhandlungen und Aussagen zu genüge, die sich intensiv und fundiert mit der Thematik befassen. In geraffter Form sind im Nachfolgenden wesentliche Informationen zusammengetragen.

1. Mögliche Ursachen von Totgeburten bei Rindern
Was kann überhaupt eine Totgeburt (Abort) bei Rindern auslösen? Ist es der Parasit „Neospora caninum“ allein oder gibt es auch andere Ursachen? Die Antwort auf diese Frage gibt die Dissertation von Astrid Katja Mayr zum Thema „Neospora caninum – eine Abortursache beim Rind“ vom 13. Februar 2004 [1]. Schon der Titel der Dissertation gibt die Antwort: "eine Abortursache". Neben nicht infektiösen Auslösern wie Medikamente oder physikalische Auswir-kungen, die im Nachfolgenden nicht besonders beschrieben werden, sind laut Frau Dr. Mayr außer dem Bakterium "Neospora caninum" zahlreiche andere „infektiöse Parasiten, Bakterien, Viren und Pilze“ [1] als Verursacher der Abor-te zu nennen ([1], Seite 71 bis 81):

Parasiten
Nachweisrate der durch Parasiten induzierten Aborte unter 1% [1]

Toxoplasma Infektionswege und Symptome vergleichbar mit Neospora caninum;
Endwirt: Katze; Zwischenwirt: Säugetiere, Vögel, Reptilien und der Mensch; Infektion durch zystenhaltiges Fleisch und Katzenkot [1]
Hammondia Ähnliche Morphologie und Entwicklung wie N. caninum;
Endwirt: Hund, Fuchs; Zwischenwirt: Hauswiederkäuer, Hunde, Rehe etc. [1]
Tritrichomonas foetus lebt auf Schleimhautoberflächen der Geschlechtsorgane, Infektion venerisch [1]
Babesia divergens,
B. major etc. Übertragung durch Zecken [1]

Bakterien
Nachweisrate bis 33 % [1]

Brucella abortus,
Brucella melitensis
Brucells suis Ansiedlung im Euter bei nicht-tragenden Tieren. Werden die Tiere trächtig, wandern sie in den Uterus. Infektion venerisch, über Schleimhäute und über kontaminiertes Futter, Einstreu oder Milch [1]
Leptospiera (diverse) Übertragung über Schleimhäute und verletzte Haut; Infektion oral über kontaminiertes Futter und Wasser; Ausscheider: Rinder selbst, Nager und Füchse; Aborte erinnern an N. caninum-Infektion [1]
Chlamydia Auftreten bei schlechter Haltung, mangelnder Futterqualität und hohen Leistungsanforderungen; Infektion erfolgt durch Einatmen von erregerhaltigem Staub, durch Läuse, Milben, Zecken oder Futter und Wasser [1]
Coxiella burnetii Ansiedlung im Uterus; Infektion durch Zecken, Aufnahme kontaminierter Nachgeburten, Futter, Einstreu, erregerhaltigem Staub und Zeckenkot [1]
Mykoplasma bivis wird mit der Milch, dem Lochiatsekret und Bindehautsekret ausgeschieden; Infektion oral [1]
Salmonella typhimurium
Salmonella dublin
Salmonella abortus bovis
Echerichia Coli Erreger werden oral aufgenommen über kontaminiertes Futter und Wasser, z.B. aus Vorflutern; Erregerausscheidung über Kot, Harn, Milch und Gebärmuttersekret. Latent infizierte Tiere stellen als Dauerausscheider das Erregerreservoir dar; Aborte ähnlich wie bei N. caninum. [1]
Listeria monocyctogenes gelangt über Verdauungskanal oder Nasenschleimhäute in die Lymph- und Blutbahn; Infektion oral durch schlecht durchsäuerte Silage oder infizierte Nachgeburt. [1]
sonstige Bakterien MAYR nennt noch weitere 9 Bakterienarten, die allesamt Aborte verursachen können.

Viren durch Viren verursachte Aborte: 7 % bis 13 %
Beschreibung der Virentypen: siehe [1, Seite 77 ff]

Pilze durch Pilze verursachte Aborte: bis 10 %
Beschreibung der Pilztypen: siehe [1, Seite 79ff]

Allein den der Tabelle aufgeführten möglichen Ursachen sind bis 57% der Aborte zuzuschreiben.
Als besonders problematisch erweist sich die Tatsache, dass Aborte zu selten untersucht werden und die tatsächliche Ursache nicht richtig ermittelt wird. Wer investiert schon gerne in eines toten Tier und lässt kostspielige Untersuchung-en durchführen. Zudem ist die Diskussion um den Parasiten Neospora caninum gerade richtig entfacht, eine mögliche Ursache für die auftreten Aborte anhand der äußeren Symptomatik leicht gefunden.
Dabei sollten die Landwirte und die Verantwortlichen in den Verbänden gerade durch die Pressemitteilungen der letz-ten Jahren aufgeschreckt sein. Das Sommerthema in den letzten Jahren waren die "Badequalität" unserer Fließge-wässer und die zugehörigen Untersuchungsergebnisse der zuständigen Gesundheitsämter. Bei den Untersuchungen gemäß EU-Baderichtlinie werden die im Wasser vorhandenen Coli-Bakterien gezählt. Aus der Anzahl der Bakterien wird auf das mögliche Vorhandensein anderer gefährlicherer Bakterien und Keime geschlossen. Im Sommer, wenn die bakterielle Belastung der Gewässer am größten ist, werden teilweise Schilder an den Flüssen und Bäche aufge-stellt mit der Aufschrift "Vorsicht Seuchengefahr". Die oben erwähnte Rhein-Zeitung berichtete hierüber regelmäßig. Das Wasser unserer Flüsse und Bäche in den Sommermonaten ist für meine Hunde nicht verträglich. Ganze Viehher-den werden aber über Wochen nur durch dieses Wasser getränkt. Wie Mayr in [1] ausführt, zeigen aber gerade die durch Salmonellen und Coli verursachten Aborte Ähnlichkeiten mit N. caninum-indizierten Fehlgeburten. Durchfallerkrankungen sind zumindest bei meinen Hunden zu beobachten.
In der Literatur finden sich auch Hinweise, dass die Kombination bestimmter Viren, Pilze und Bakterien mit Neospora caninum zu einer Schwächung des Immunsystems führt. Damit Vergrößert sich das Risiko für die Schädigung der Tiere.
2. Informationen zum Parasiten Neospora caninum
Der Lebenszyklus des einzelligen Parasiten Neospora caninum ist noch weitgehend unerforscht [1]. Fest steht je-doch, dass er für seine Entwicklung zwei Wirte benötigt, den End- und Zwischenwirt [4]. Im Endwirt findet die Ver-mehrung im Darm statt, mit dem Kot werden die Dauerstadien (Oozysten) ausgeschieden. Diese werden dann vom Zwischenwirt gefressen. Im Zwischenwirt lagert sich der Parasit im Gewebe (Muskulatur, Gehirn, Organe) ab. Dabei gibt es zwei Stadien des Erregers: die Tachyzoiten finden sich in verschiedenen unterschiedlichen Einzelzellen, die Bradyzoiten liegen in Zysten und kommen nur in neuronalem Gewebe vor. Durch Fressen von infiziertem Gewebe (insbesondere Nachgeburt oder Aborte) werden Tiere, die als Wirt in Frage kommen, ebenfalls infiziert. Sie dienen dann je nach Tierart als Zwischen- oder Endwirt. Der Hund kann Zwischen- und Endwirt sein. Die Lebensdauer der Oozysten wird mit mehreren Wochen angegeben. Es gibt jedoch keine Untersuchungen zu Abhängigkeiten von kli-matischen Verhältnissen oder zu den notwendigen Überlebensbedingungen der Oozyten.
Neospora caninium besitz ein breites Wirtsspektrum. Zu den in unseren Regionen lebenden natürlich infizierten Wir-ten gehören Rind, Schaf, Ziege, Gemse, Rothirsch, Reh, Schwein, Pferd, Geflügel, Hund und Rotfuchs [1]. Zusätz-lich in Experimenten nachgewiesen wurde eine mögliche Wirtsfunktion unter anderem bei Mäusen [1] und Ratten [5]. Hund und Fuchs können als Endwirt dienen [2]. Für den Menschen stellt der Erreger N. caninum keine Gefahr dar [1,5].
Die Häufigkeit der auftretenden Aborte ist weltweit stark unterschiedlich. Die Bundesforschungsanstalt für Viren-krankheiten der Tiere gibt an, dass bei 15% bis 20% die Neosporose als Abortursache angesehen werden kann [2,5] (sonstige Ursachen: siehe oben). Anderen Veröffentlichungen enthalten lediglich die Aussage, dass bei 15% bis 20% der Aborte der parasit N. caninum nachgewiesen wurde. Die Aussage, dass dieser dann auch die Ursache für die Tot-geburt war, wird nicht gemacht.
Zu unterscheiden ist zwischen seuchenhaftem (epidemisch) und örtlich begrenzten (endemischen) Auftretenden. Bei den Übertragungswegen wird differenziert zwischen vertikaler Übertragung und horizontaler Übertragung. Die Übertragungswege werden nachfolgend beschrieben.
Der vertikale Übertragungsweg wird in der Literatur als der Hauptinfektionsweg angegeben [1]. Übertragen wird der Erreger dabei direkt von der Mutter zum Kalb. Untersuchungen zufolge sind 90 % der Nachkommen von befallenen Müttern auch Träger des Parasiten [5]. Die Infektion bleibt jedoch meist unerkannt, weil die meisten infizierten Kälber normal geboren werden und nach der Geburt unauffällig sind. [5,1,2]. Die auftretenden Aborte zählen eher zu den en-demischen (örtlich begrenzt i.d.Regel auf die Herde).
In neuen Veröffentlichungen wird festgehalten, dass selbst in Bullensperma N. caninum gefunden wurde. Durch Ver-wendung von infiziertem Sperma können bisher nicht befallene Herden angesteckt werden.
Die horizontale Übertragung des Parasiten erfolgt oral durch Aufnahme von infizierten Gewebe oder der mit dem Kot ausgeschiedenen Dauerstadien. Mit dem Satz "Dafür, dass es auch eine horizontale Übertragung der Infektion auf das Rind stattfindet, gibt es epidemiologische und experimentelle Anhaltspunkte." beschreibt die Bundesfor-schungsanstalt für Virenkunde in [2] den aktuellen Wissensstand. Leuneberger ergänzt: " Es wird angenommen (noch nicht wissenschaftlich erwiesen), dass vor allem der Hund als Überträger des Erregers dient." [5]

Das Verspeisen von infiziertem Gewebe oder Muskelfleisch (z.B. gefangene oder tote Mäuse im Futter), von Nach-geburt der Rinder oder abortierten Tieren führt beim Hund, beim Rind und sonstigen oben erwähnten Tieren zu einer Übertragung des Erregers. Dies wurde 1998 bei Laborversuchen mit Hunden nachgewiesen.
Eine orale Infektionsmöglichkeit über an Kälber verabreichte Milch konnte ebenfalls experimentell nachgewiesen wer-den.
Mayr sieht ein besonderes Risiko für Rinder durch infizierte Kadaver (Kleintiere) im Futter.
Neurologische Symptome stehen beim Krankkeitsbild des Hundes im Vordergrund. Genannt werden Lähmung (Paralyse) der Hinterhand oder aller Gliedmaßen, Schluckbeschwerden, Paralyse des Kiefers, Kopfschiefhaltung, Muskelschwäche, Herzinsuffizienz und Pneumonie.
Die Krankheiten des Rindes sind Aborte, Mumifikationen, Geburt lebensschwacher oder infizierter Kälber. Genaueres entnehmen Sie bitte den Mitteilungen der Verbände.

3. Prophylaktische Maßnahmen zur Risikominimierung
Da die vertikale Übertragung des Erregers den Hauptinfektionsweg darstellt, sind prophylaktische Maßnahmen zur Risikominimierung im wesentlichen durch Herdenmanagement durchzuführen. Dieses sind: serologische Reihen-untersuchung oder Nachweise im Abortus, Reduktion chronisch infizierter Tiere, Test zugekaufter Tiere, gezielte Verwendung seronegativer, das heißt mutmaßlich nicht infizierter weiblicher Tiere [1,2], Verwendung von einwand-freiem Sperma; Erregerminimierung durch Einhaltung der Hygienerichtlinien in Stall- und Futtergebäude gemäß nachfolgender Aufzählung.
Alle infektiösen Gewebe, wie abortierte Foeten oder Fruchthüllen, müssen möglichst schnell aus dem Bestand ent-fernt werden, damit weder Hunde noch Rinder Zugang haben und diese Infektionsquelle nutzen. [1]
Das Futter muss so gelagert werden, dass weder Hofhunde noch Nager Zugang haben. Es besteht die Möglichkeit, dass Kleinsäuger als Zwischen- und Transporttiere fungieren. [1]
Aus dem gleichen Grunde sollte Geflügel keinen Zugang zu den Futtermittel für Wiederkäuer bekommen. [1]
Als wichtig zur Prävention von der Neosporen-Aborte erwies sich auch die Verfütterung von einwandfreiem Futter, da Schimmel Mykotoxine enthält, die eine Immunsuppression zur Folge haben und so einen zusätzlichen Risiko-faktor darstellt. [1]
Es sollte sichergestellt werden, dass Futter nicht mit N. caninum verseuchter Gülle kontaminiert werden kann.
Bisher kann eine postnatale Infektion noch nicht gänzlich vermieden werden, da noch immer nicht alle Details des Lebenszyklus des Parasiten geklärt sind. Allerdings sollte seit dem Beweis, dass der Hund einen Endwirt darstellt, verhindert werden, dass vom Hund ausgeschiedene Infektionsstadien Futter und Wasser der Wiederkäuer kontaminieren. [1]
Da Fuchs und andere Caniden als Endwirte in Frage kommen, sollten die Futtermittel von Wiesen stammen, auf denen wenig Füchse beobachtet werden [1]

4. Schlussfolgerung
Die Schäden in der Landwirtschaft, die durch den Parasiten Neospora caninum entstehen, sind enorm und unbestrit-ten. Sie zu begrenzen, muss Anliegen aller Beteiligter -Landwirte, Interessenverbände, Endverbraucher und Hunde-besitzer- sein.
Eine Diskussion um die Thematik muss aber alle Aspekte des Krankheitsbildes beleuchten. Forderungen, die über die Presse nach außen getragen werden, dürfen nicht einseitig vorgetragen werden und sie dürfen vor allem niemanden als Hauptübeltäter beschreien, wenn grundlegende Dinge nicht geklärt sind und ein wissenschaftlicher Beweis für die tatsächliche aktive und hervorstechende Beteiligung des frei laufenden Hundes fehlt. Dass Hofhunde eine nicht zu verachtende Punktquelle darstellen können, zeigen ein Abortgeschehen und Untersuchungen aus England. Wie obige Ausführungen zeigen, liegt nur eine einzige Vorsorgemaßnahme im Verantwortungsbereich des Hundebesitzers (aus-genommen Hofhunde).
Die Ursachen für die beobachteten Aborte müssen verantwortlich aufgeklärt und untersucht werden, um auch andere Gefahrenquellen auszuschließen.
Wir Hundebesitzer wollen und werden uns selbstverständlich bemühen, durch eine prophylaktische Maßnahme Scha-den zu vermeiden. Polemische Diskussionen und Wortgefechte in freier Natur, wie sie zur Zeit praktiziert werden, auch wenn Wiesen nur betreten werden, halten wir für überflüssig, wenn sich alle Beteiligten ausreichend informieren und der Wille zur Ursachenforschung vorhanden ist.
(Wollen auch Sie sich zur Thematik äußern, schreiben Sie mir: info@dr-erich-zimmermann.de)

5. Literatur und Internethinweise
[1] Mayr, Dr. Astrid Katja Neospora Caninum - eine Abortursache beim Rind
Tierärtzliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
13.Februar 2004
www.uni-muenchen.de

[2] Conraths, F.J.
Schares,G. Diagnostik und Epidemiologie
Neospora canium-assoziierter Verkalbungen der Tiere
Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, 15.05.2003
www.bfav.de
www.welpendvdsued.de ( unter neue Themen)

[3] Östereichisches Zentrum
für funktionelle Klauenpflege Tod aus dem Hundekot
www.klauenpflege.at

[4] Sager, Dr. Heinz Neospora caninum: der "neue" Parasit
Institut für Pathologie, Universität Bern
Artikel aus dem Hundemagazin 7/2001
www.kleintiermedizin.ch

[5] Geronimi
Leuenberger Neospora-caninum-Infektion beim Rind - ein weit verbreiteter Aborterreger
aus 2004
www.emmevet.ch







Es gibt auch positive Beispiele der Darstellung und positive Beispiele der Umsetzung, z.B.:

Internetseite der Gemeinde Baltmannsweiler
www.baltmannsweiler.de

Kostenlose Hundebeutel


Kostenlose Hundekotbeutel aus Rücksicht auf Fußgänger und die landwirtschaftliche Produktion verwenden

Die Neosporose ist eine Infektion von Rindern, die nicht behandelt werden kann. Der Parasit Neo-spora caninum wird weltweit als bedeutender Aborterreger beim Rind angesehen. Bei Untersuchung-en in Bayern und Nordhessen wurden auf Betrieben mit Fruchtbarkeitsstörungen bei 46 % der Kühe Antikörper gegen den Erreger nachgewiesen. Hunde können dem Parasiten als Endwirt dienen. Mit dem Kot werden dann infektionsfähige Stadien des Parasiten ausgeschieden und u.U. von der Kuh aufgenommen. Da eine Behandlung der Infektion nicht möglich ist, sind Hygienemaßnahmen ent- scheidend. Hunde können sich infizieren z.B. am Fleisch infizierter Zwischenwirte (Rinder, Schafe, Ziegen) oder an infiziertem Trinkwasser.

Hundehalter können zur Verhinderung dieser Infektionen dadurch einen Beitrag leisten, dass sie ihre Hunde im Außenbereich nicht frei umherlaufen lassen und Hundekot durch Hundekot-beutel aufnehmen und im Mülleimer entsorgen.

Die Hundekotbeutel können kostenlos bei der Gemeindeverwaltung abgeholt werden.

Die Hundekotbeutel kann der Besitzer bequem beim Spazierengehen mit seinem Hund bei sich führen, um so die "Hundehäufchen" einzusammeln und im nächsten Abfalleimer zu entsorgen.

Die Hundekotbeutel sind erhältlich in den Rathäusern Baltmannsweiler und Hohengehren. Sie können währen der üblichen Öffnungszeiten abgeholt oder telefonisch bestellt werden. Sie erhalten die Hundekotbeutel dann über unsere Amtsboten.

Quelle: http://www.ib-dr-zimmermann.de/Privat/Hunde/neospora.htm

Persönliche Anmerkung:
Auch ich finde es persönlich eine grässliche und unnötige Untugend, wenn HundebesitzerInnen die kotigen Hinderlassenschaften ihrer Hunde unbeachtet in Wiesen, an Wegesrändern oder gar auf den Gehwegen dort belassen. Hier sind nicht nur die Hunde unerzogen, sondern auch deren BesitzerInnen! Aber das Geschrei so manche/r LandwirtInnen ist ebenso unangebracht. Sie selbst sind es, die die mit Krankheitserregern, Parasiten und Medikamenten angereicherte Gülle und Mist ihrer eigenen Tiere auf ihre eigenen Gras- und Ackerflächen ver-bringen. Ihre Tierbestände sind dabei nicht restlos frei von Krankheiten und Parasiten - und erhalten daneben oft große Mengen an Antibiotika – die ihren Tieren aus Gründen von Krankheit oder zum Zweck der Mast verabreicht wurden. Des Weiteren beachtet so manche/r LandwirtInn bei der Gülleausbringung nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände zu Gewässer (Stichwort Nitrat im Trinkwasser) etc. sowie die geeigneten/gesetzlich vorgeschriebenen mindest Luft-/Bodentemperaturen zur Gülleausbringung.
Außerdem verrichten Wildtiere den ihren Grasflächen und Äckern ihre Notdurft, ebenso Nagetiere und freilaufende Hauskatzen (nicht selten vom Bauernhof selbst, die auch in unseren Gärten ihre Notdurften im Gemüsebeet verrichten).
Es sei an beide Seiten der Appell gerichtet, sich mit der einschlägigen Forschungsliteratur zum Thema auseinanderzusetzen, Vorschriften einzuhalten und sich angemessen zu verhalten.

Punktejungs

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