Epilepsie - Hund

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Epilepsie - Hund

Beitrag  Boxermaus am Di 21 Okt 2014 - 14:04

Zitat:
Von Ralph Rückert, Tierarzt
http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=18929

Ohne jede Vorwarnung, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, kommt der erste Anfall.
Das bis zu diesem Moment völlig gesund erscheinende Tier zeigt plötzlich ausgesprochen angsteinflößende Symptome.
Es fällt um, krampft heftig, schäumt, verliert Harn und/oder Kot, schreit.
Nach ein paar Sekunden, die dem Tierbesitzer in seiner verständlichen Panik wesentlich länger vorkommen, ist alles vorbei. Allerdings in den meisten Fällen nur für dieses Mal, weil weitere Anfälle in unvorhersehbaren Intervallen folgen werden.
Das Haustier, das Familienmitglied, ist mit diesem ersten Anfall eventuell zum Epileptiker geworden.
Was kommt jetzt auf Sie als Besitzer und auf Ihr Tier zu?



Was können Sie tun, wenn Ihr Tier einen Anfall hat?
Leider recht wenig.
Achten Sie darauf, dass sich der Patient nicht an Möbeln oder anderen Hindernissen verletzt und auch nicht eine Treppe runterfällt.
Greifen Sie NICHT ins Maul, um etwa die Zunge heraus zu ziehen. Das endet häufig mit einer bösen Bissverletzung entweder Ihrer Finger oder der Zunge des Tieres. Aus dem gleichen Grund ist der Versuch sinnlos, Medikamente in Tablettenform während eines Anfalls einzugeben.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung mag es nötig werden, Ihnen Diazepam in Form kleiner Klistiere zu verschreiben, die Sie dann nach entsprechender praktischer Anleitung Ihres Tierarztes verwenden können. Letzteres beschränkt sich aber auf wenige und spezielle Fälle, besonders den oben erwähnten Status epilepticus.

Nach einem Erstanfall spricht man medizinisch korrekt noch nicht von einer Epilepsie, sondern von einem epileptiformen (epilepsieartigen) Anfall. Es gibt nämlich durchaus organische Probleme außerhalb des Gehirns, zum Beispiel von Herz, Leber, Schilddrüse, Glukose- oder Mineralstoffwechsel, die einen solchen Anfall auslösen können. Ebenso gibt es Hirnerkrankungen (zum Beispiel Hirn(haut)entzündungen oder Tumore), die ebenfalls Krämpfe verursachen können, ohne dass es sich dabei um eine echte Epilepsie handeln würde. Die Diagnose der echten Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose. Da die Krankheit an sich speziell beim Tier nicht definitiv diagnostiziert werden kann, bemüht man sich um den Ausschluss aller anderen Möglichkeiten, bis möglichst nur noch die eigentliche Epilepsie als Diagnose übrig bleibt. Zu den dabei zur Anwendung gebrachten diagnostischen Verfahren gehören je nach Lage spezielle neurologische Untersuchungsgänge, Blut- und Liquoruntersuchungen, EKG, Ultraschall sowie CT oder MRT des Schädels.

Nach einem Erstanfall sind von Besitzerseite folgende Maßnahmen nötig:
1. Tierarzt kontaktieren und den Patienten gründlich allgemein und neurologisch untersuchen lassen, eventuell auch gleich Blutuntersuchung. Dabei Erörterung etwaiger weiterführender Untersuchungen in spezialisierten Einrichtungen.
2. Ein Anfallstagebuch anlegen, in das Datum, Uhrzeit und nähere Umstände von Anfällen sorgfältig notiert werden.
3. Wenn nicht schon beim ersten Anfall geschehen, möglichst Videodokumentation weiterer Anfälle.

Das Anfallstagebuch dient unter anderem dazu, sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate über die Anfallsfrequenz klar zu werden, da diese entscheidend ist für die Aufnahme einer medikamentösen Therapie. Tritt nur alle paar Monate ein Anfall auf, verzichtet man häufig auf eine Dauermedikation. Sind die Anfälle dagegen häufiger, sollte aufgrund der Kindling-Theorie, nach der jeder Anfall den Weg des nächsten bereitet, mit dem Therapiebeginn nicht zu lange gewartet werden.

eider werden auch unter sachkundiger Therapie etwa 20 Prozent der Patienten nicht dauerhaft anfallsfrei.

Quelle:
http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=18929
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